Degustation Genf

Rückblende: Ein klirrend kalter Februar-Abend des Jahres 1973, Offiziers-Kantine der Caserne des Vernets in Genf, militärische Aus- und Weiterbildungsstätte der damaligen Luftschutztruppen. Soeben hatte ich die feierliche Brevetierungs-Zeremonie zum Korporal über mich ergehen lassen und sass nun mit meinen frischgebackenen Unteroffiziers-Kollegen beim (offerierten) Nachtessen, im Beisein des Schulkommandanten. Was wir gegessen haben, weiss ich heute nicht mehr, wohl aber welcher Wein uns kredenzt wurde: Es war – wie könnte es anders sein – ein Gamay! Bei seinem Trinkspruch, den der Schulkommandant dem jungen Kader widmete, lobte er den scheinbar herausragenden Tropfen: «Aach, es geht nichts über einen exzellenten Gamay!». Selbstverständlich widersprach niemand und es wagte keiner den Geschmack des Herrn Oberst in Frage zu stellen, schliesslich hatten einige von uns noch Ambitionen auf weitere militärische Beförderungen… Der langen Rede kurzer Sinn: Chasselas (“Perlan”) bei den Weiss- und Gamay bei den Rotweinen standen vor 45 Jahren sozusagen als Synonym für den Weinkanton Genf.

Zeitsprung: Vom 18. bis 20. Mai 2017 reisten mein ehemaliger Vorstandskollege Mario Lauber und ich in den Kanton Genf, um bei ausgesuchten Winzern die Weine für unsere Degustation zu verkosten und einzukaufen. Um es vorweg zu nehmen: Die Rekognoszierung übertraf unsere (eher verhaltenen) Erwartungen bei weitem. Wir waren ausnahmslos begeistert vom Empfang durch alle Winzer und von der Qualität der degustierten Weine. Da schliesse ich mich vorbehaltlos dem Urteil des Deutschschweizer Weinfreaks und Feinschmeckers Albert Keller an, der in der Spezial-Publikation Nr. 2 von “Vinum”, Mai 2017, sagt: «Ich habe die Genfer Weine in den 1970er-Jahren entdeckt und kann heute wirklich eine deutliche Entwicklung feststellen. Insbesondere was die Spezialitäten angeht. In meinen Augen sind es einfach die besten Weine der Schweiz!». Leider ist die Chance, in der deutschen Schweiz zufällig auf eine Restaurant-Weinkarte mit einer guten Auswahl an Genfer Weinen zu stossen, noch nicht sehr gross.

Gewiss, Chasselas und Gamay sind nach wie vor die beiden Hauptkategorien der im Kanton Genf bepflanzten Rebfläche. Aber sie haben in den vergangenen zehn Jahren an Boden verloren. Beim Gamay ist es ein Rückgang von 422 auf 347 Hektar, der Chasselas büsste 35 Hektar auf heute noch 300 ein. Diese Entwicklung erfolgte zugunsten weisser und roter Spezialitäten, die im vergangenen Jahrzehnt fast allesamt zulegen konnten. So begegnen wir heute Spezialitäten wie Aligoté, Viognier, Savagnin blanc (im Wallis als Heida oder Paiën bekannt), Sauvignon blanc, Scheurebe, Griset blanc (Findling), Gamaret, Garanoir, Syrah, Malbec u.a.m. Allen diesen Spezialitäten begegnen Sie an unserer Degustation. Aber nicht nur: Was wäre eine Genfer Verkostung ohne Gamay? Wir taten uns schwer auf der Reise, bis ein Gamay beiden mundete und unsere Gnade fand. Bei Emilienne Hutin in Dardagny wurden wir fündig; dieser Gamay musste es sein!

Mit 1’400 Hektar Rebland kann sich Genf als der Kanton mit der drittgrössten Anbaufläche rühmen. Seit 1988 führt die Region die kontrollierte Ursprungsbezeichnung AOC und mit dem «Esprit de Genève» hat der Kanton seit 2004 einen der besten Botschafter der Genfer Weine. Zum Esprit de Genève bekennen sich derzeit 20 Genfer Weinkelterer.

Seien Sie unsere Gäste und nehmen Sie teil an unserer Genfer Weinreise – ein Kanton, der sich und seine Weine nicht verstecken muss. Überzeugen Sie sich selbst!

Peter Widmer

Daten

Mittwoch, 1. November 2017
Donnerstag, 2. November 2017
Beginn um 19.30 Uhr

Ort

In unserem Clubkeller an der Junkerngasse 38, 3011 Bern

Referenten

Peter Widmer und Mario Lauber

Unkostenbeitrag

Fr. 50.- für Clubfreunde
Fr. 65.- für Gäste

Anmeldung

Bis spätestens 15. Oktober 2017 per E-Mail an: anmeldung@labarrique.ch gemäss den Anmelderegeln für Clubanlässe.